Stadtrandblog

Urbanes Leben - Freizeit – Kultur - Stadtentwicklung

Magical Mystery Tour in Nymphenburg

 

Auf gehts zum Lustwandeln. Doch zuvor kurze Einweisung.

Auf gehts zum Lustwandeln. Die Stimmung ist gut bei den Mitarbeitern der Schlösserverwaltung.

Slow ist in. Slowfood kennt jeder und es gibt diverse noch weitere Bewegungen, die sich dem langsamen und achtsamen, genussbetonten Leben verschrieben haben. Passend dazu lud die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung  zum Lustwandeln durch den Nymphenburger Schlosspark.

Anlass war die Präsentation einer App für Smartphones, die interessierte Parkbesucher durch die Anlagen führen und ihnen die Augen für die Schönheiten und Geheimnisse der Anlage öffnen soll. Klar, dass ich als alter Freund des Schlossparks mir diesen Event nicht entgehen lassen durfte.

Schon seit jungen Jahren verbindet mich mit dem Park eine tiefe Freundschaft. Zu jeder Jahreszeit spaziere ich durch die weitläufigen Anlagen und entdecke immer wieder neue Wege, Winkel uns Ausblicke. Auch wenn mich romantische Anwandlungen packen, ist der von Friedrich Ludwig Sckell gestaltet Park und dessen Kontrasten zwischen verträumten Pfaden und majestätischen Alleen der ideale Ort für mich.

Kaiserwetter zum Lustwandeln

Doch zurück zum Event. Ein strahlender Sommertag lockte zahlreiche Blogger und Twitterer am Sonntagmorgen zu dem großen Touristenziel. Nach kurzer Einführung durch die Mitarbeiter der Schlossverwaltung am Haupteingang gab es die erste Überraschung. Drei Lustwandler wurden per Los auserwählt, Orte im Park zu erforschen, die den gewöhnlichen Besuchern sonst verborgen sind. Einer der Glücklichen war ich, meine Einladungskarte war mit einem aufgeklebten „S“ versehen. „S“ bedeutete Schloss. Während der Trupp der Twitterer weiter in den Park zog, bot sich mir die Möglichkeit einen Ausblick auf den Schlosspark zu erhaschen, wie einst der Maler Canaletto. Der musste dazu ein dreissig Meter hohes Gerüst erstellen und besteigen, um seine Gemälde aus einer wahrhaft berauschenden Perspektive zu malen. Ich brauchte dazu nur den Dachboden des Schlosses zu erklimmen.

Losglück führt mich auf den Dachstuhl

Gleich zu Beginn  erwartete mich schon die nächste Überraschung. Ein Aufzug!  Im Schloss! Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Das letzte Stück musste aber doch zu Fuß bewältigt werden, eine Mitarbeiterin der Verwaltung begleitete mich nach oben. Über eine schmale, steile Treppe und durch eine winzige Tür ging es dann auf den Dachboden. Schmale Holztreppen im Dachstuhl führten dann zu Fenstern, die wirklich eine fantastische Aussicht boten.

Dachstuhl von Schloss Nymphenburg

Dachstuhl von Schloss Nymphenburg

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Links im Bild, die Treppe zur majestätischen Aussicht

 

Blick vom Dachstuhl des Schlosses Richtung Stadt

Blick wie Canaletto vom Dachstuhl des Schlosses Richtung Stadt

Dann hieß es der Aussicht wieder Adieu sagen und den Anschluss zu den restlichen Lustwanderen finden, die derweil die Badenburg erkundeten. Unterwegs die ersten Bilder von der königlichen Aussicht auf Twitter und Instagram, versehen mit dem Hashtag #Lustwandeln gepostet und weiter gings.

Schwer beeindruckt, leicht gehetzt und damit eigentlich weit entfernt vom lustwandeln fand ich wieder Anschluss an die zwitschernden Mitwanderer, die eifrig den Erklärungen zum Park lauschten. Gelegenheit die App zu benutzen, hatte ich kaum. Zu sehr war ich mit schauen, hören, fotografieren und twittern beschäftigt.

Jede Menge spannende Infos

Es hat sich aber auch gelohnt. Viele Details wurden uns von den sachkundigen Fachleuten der Schlossverwaltung erklärt, Details die wir von selbst nie entdeckt hätten. Vieles davon findet sich auf in der wirklich liebevoll gestalteten App, sobald ich Zeit finde sie ausführlich zu testen, berichte ich davon.

So erfuhren wir beispielsweise, warum auf einigen Wiesen so viele Schlüsselblumen wachsen. Die lieben bekanntlich feuchte Böden. Derer gibt es dort auch. Warum?

 

Schlüsselblumen vor der Badenburg

Schlüsselblumen vor der Badenburg

Das wurde uns anhand von Luftaufnahmen und alten Stichen des Parks erklärt.

Feuchtgebiete im Park wo einst Fontänen sprühten

Alte Karten und Infrarotaufnahmen zeigen Feuchtgebiete im Park wo einst Fontänen sprühten

Dort, nah an der Badenburg, wo heute die gelben Blumen leuchten, unterhielten früher Fontänen und Brunnen das höfische Volk. Die ehemaligen Wasser- und Freudenspender sind längst verschwunden, das Erdreich aber ist immer noch nass davon.

Im Löwental, der flachen Landschaft südlich der Badenburg, hatte man ursprünglich Ausblick auf die Zugspitze. Heute gibt es dort in der Ferne nur noch ein Hochlager von Tengelmann zu entdecken.

„Vandale“ Niklas hat zugeschlagen

Auch zum Pan, der versteckt im Wald auf seiner Flöte spielt gab es Geschichten. Immer wieder wurden von Vandalen die Hörner des Fauns abgebrochen, nun hat Sturm Niklas einen Baum (von über hundert im Park) direkt neben dem Faun erschlagen und dabei seinem Begleiter, der Ziege, ein Ohr abgetrennt.

Pan mit einohriger Ziege

Pan mit einohriger Ziege

Wir wären alle gerne noch weiter lustgewandelt, aber alle schönen Dinge gehen nun einmal viel zu schnell zu Ende.

Ein Schmankerl gab es noch zum Abschied. Das sonst verschlossene Hexenhäusl im Kronprinzengarten wurde für uns geöffnet und wir konnten staunend das Spielzimmer des kleinen Prinzen samt Balkon bewundern.

Hexenhäusl im Kronprinzengarten

Hexenhäusl im Kronprinzengarten

Hexenhäusl von innen. Sieht so gar nicht nach Hexe aus...

Hexenhäusl von innen. Sieht so gar nicht nach Hexe aus…

Zum krönenden Schluss gab es im Verwaltungstrakt südlich des Schlosses noch Häppchen zur Stärkung und erste Infos, wie unser Spaziergang im Netz eingeschlagen hat. Platz 2 der Trending Twitter Topics – das ist doch was.

Ich möchte mich noch mal herzlich bei allen Organisatoren des Tages – den Kulturkonsorten, der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, insbesonders bei Tanja Praske – für die Einladung bedanken und jedem Leser nahelegen, den Park wirklich genussvoll zu erkunden. Am besten mit Hilfe der tollen App.

 

Auf gehts, den Frühling willkommen heissen

Ihr habt es sicher schon mitbekommen, ich bin ein großer Fan der Münchner Ars-Musica-Truppe Ropedancers.

Um den Start in den Frühling gebührend zu feiern, geben die vier Multiinstrumentalisten am 31. März um 20 Uhr ein Konzert in der Mini-Bar im Münchner Westend.

Exclusiv für meine Blogleser verlose ich hier 3 x 2 Karten zum Konzert. Einfach eine Mail an info@stadtrandblog.de und sich einen schönen Abend sichern.

Und mal ehrlich – gibt es eine schönere Art, um nach dem kalten Winter die wiederkehrende Sonne und mit ihr den Frühling zu begrüßen, als mit Musik? Wenn sich die ersten bunten Krokusse durch die noch winterharte Erde nach oben kämpfen, die Sonne wieder ihre lang vermisste Wärme spendet und wir uns wieder freudig dem Rhythmus der Jahreszeiten hingeben?

Zusammen mit dem Münchner Ars-Musica-Ensemble Ropedancers lässt sich dieser Beginn der sonnenreichen Zeit nun passend feiern. In der intimen Wohnzimmer-Atmosphäre der Mini-Bar stellen die vier Musiker ihre witzig-melancholischen Songs diesmal ganz unter das Motto Frühling.

Mit traumtänzerischer Sicherheit verpacken sie dabei ihre aussergewöhnliche Harmonien in gelungene, abwechslungsreiche Melodien. Durch mehrstimmigen Gesang, unterstützt von Geige, Cajon und Akkordeon gelingt es Ropedancers, sich und ihre Musik geschickt in die Herzen ihrer Zuhörer zu balancieren und ihnen ein glückliches Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.

Unterstützt werden die beiden Songwriter Carola Batt-Michel und Uwe Karpa dabei durch die kraftvolle und spielfreudige, rhythmische Begleitung von Janine Fontaine und Eberhard Merkwitz.
Ein Abend, der euch zu einem entspannend-fröhlichen Monatsausklang einlädt und damit einen beschwingten Start in den Frühling garantiert.

Wer nicht zu den glücklichen Gewinnern gehört kann sich Karten für diesen musikalischen Sprint in den Frühling zu 8.- Euro  unter  press@ropedancers.de reservieren.

Kehraus

G´seng, g´hört, aufgschrieben!

München(er)leben: Die Kolumne 


IMG_1690Die fünfte „Jahreszeit“, das Oktoberfest in München ist vorüber. Die letzten Japaner machen sich in ihren Schnäppchendirndln und -Lederhosen auf den Heimweg, manch einer schleppt sich, mit befremdlichen Tierkopfmützen die er nur im Vollrausch erstanden haben kann, das Gesicht noch deutlich von den Freuden der letzten Wiesnnacht gezeichnet, seinen Rollkoffer hinter sich herziehend, mühsam Richtung Bahnhof oder Flughafen.

Langsam versickern halbverdaute Hendl, Brezen und ungezählte Maß bereits getrunkenes Wiesnbier  in den Hängen der Theresienwiese. Der Weg vom Bahnsteig an der Hackerbrücke die Treppen rauf dauert wieder nur zwei statt fünfzehn Minuten und der gemeine Städter hat seine folkloristische Verkleidung, ohne die er sich während der 16 Tage Ausnahmezustand nicht mehr auf die Straße zu trauen schien, in den Kleiderschrank verbannt und geht endlich wieder in Jeans und Hemd zur Arbeit. Das (inzwischen verbotene) Feierabendbierchen in der S-Bahn wird wieder die Ausnahme. Ruhe und Frieden kehrt in die verkaterte Weltstadt mit Rausch ein.

Ruhe und Frieden? Moment mal – Dort drunt in der schönen Au…… da bahnt sich bereits das nächste Spektakel an. Ein herbstlaubbedecktes Holzbüdchen nach dem anderen versammelt sich auf der sonst öden Kiesfläche vor der Kirche Mariahilf – die Kirchweihdult, die letzte der drei Dulten im Jahr zieht herauf. Die ist zwar kein solch gigantisches Spektakel wie das Fest zu Ehren der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese auf der nach ihr benannten Festwiese. Und doch hier wird bereits der Grundstein gelegt für das nächste Ereignis, welches erneut nicht unbedeutende Touristenströme nach München lockt.

Denn mit dem Ende der Dult verschwinden die Buden nicht wie nach der Mai- und der Jakob-Dult, sondern ruhen dort für einige Wochen, sammeln ihre Kräfte, um sich anschließend in Gänze auf ihren Weg nur wenige Kilometer entfernt ins Herz der Stadt aufzumachen, um rund um den Marienplatz als Christkindlmarkt wieder aufzuerstehen.

Doch noch bevor der alljährliche Streit darüber wieder entbrennen kann, ob der aktuelle Christbaum vor dem Rathaus nun „schee“ oder „greislig“ ist, dürfen die Narren am 11. November schon wieder die nächste „Jahreszeit“ ausrufen.

Wie schön wäre da mal ein Kehraus, der mit dem letzten Besenstrich für wirkliche Ruhe sorgte.

 

The Green Room – eine unterirdische Oase?

 

Ein wenig enttäuscht war ich schon, als ich die Treppen der Fußgängerunterführung an der Kreuzung Ludwigstraße/ Oskar-von-Miller-Ring hinabstieg.

Das war er also, der von Green City e.V. viel gepriesene Green Room, Münchens „unterirdischer Dschungel“, eine grüne Oase der Stadt.

„Mit Palmen, Farnen und Moosen hat der Münchner Künstler Michael Pendry in Kooperation mit der Umweltorganisation Green City aus der kahlen Fußgängerunterführung auf Höhe der Ludwigsstraße eine unterirdische grüne Oase gezaubert.“ schreibt Green City e.V. in ihrer Pressemitteilung zum Green Room.

„Im GREEN ROOM lasse ich die Grenzen zwischen Kunst und neuen Ansätzen der Verwandlung des öffentlichen Raums verschmelzen und mache die Besucher zum Teil der Installation“, vermeldet der Künstler in der selben Bekanntmachung.

Green Room

Stimmt alles – dennoch kam mir die Installation doch etwas mickrig vor. Sicher, vorher war es eine hässliche Betonunterführung, nun gibt es dort Urwaldvogelgezwitscher vom Band, buntes Licht, viel Sand und einiges an Grünzeug. Aber ernsthaft – reicht das? Auch wenn es Kunst ist?

In New York sei mit „LowLine“ ein ähnliches Projekt im Entstehen, schreibt Green City, und vermeldet stolz, dass während New York noch plant, das Münchner Projekt bereits vollendet ist. Sieht man sich aber mal die Dimensionen des geplanten New Yorker Underground Parks mal an, wird schnell klar, dass dieser Vergleich doch ein wenig hinkt.

Green Room

Gut, München ist nicht New York und das zum Teil via Kickstarter durch Crowdfunding geförderte Projekt in den Staaten wird ganz andere Summen verschlingen. Dennoch fühlte ich mich bei meinem Besuch im Green Room mit einem Male fürchterlich provinziell.

Wer sich selbst ein Bild machen will – bis 14. September ist das temporäre Kunstwerk noch zu besichtigen.

 

 

 

The Journey of the Beasts

Was passiert wenn man eine Gruppe leidenschaftlicher Skater nach Indonesien schickt? Und was hat es mit Mister Electro auf sich? Antworten gibt der 30-minütige und absolut sehenswerte Kurzfilm von Sebastian Linda – The Journey of the beasts. Nehmt euch die Zeit, lehnt euch zurück und genießt!

The Journey of the Beasts from Sebastian Linda on Vimeo.

Alter Südfriedhof in München

Von Bärlauchduft umgeben durch den Alten Südfriedhof wandern!

Freiham – Zurück in die Zukunft

Noch existiert Freiham-Nord, der Stadtteil der in den kommenden Jahrzehnten am westlichen Rand Münchens 20.000 Menschen ein Zuhause geben soll, nur auf dem Reißbrett. Und auch dort nur in groben Zügen. Um die Wartezeit bis zur Fertigstellung des Stadtteils etwas abzukürzen und den Aubinger und Freihamer Bürgern schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende zu geben, hat das Planungsreferat der Stadt München vor kurzem einen Infopfad auf den Äckern angelegt, die in naher Zukunft dem Stadtteil weichen werden.

Dieser Infopfad hat es in sich. Zwar ist er leicht zu übersehen – die dünnen blauen Holzpfähle mit den angetackerten Informationstafeln sind inmitten der riesigen grünen Flächen schwer zu entdecken – doch wer sich die Mühe macht und mit festen Schuhen durch das mitunter matschige Erdreich stapft, erlebt eine kleine Überraschung.

Denn die Texte und Bilder auf den Tafeln berichten von einer Zeit, die erst noch kommt. Freiham 2033 steht dort beispielsweise auf einer Tafel geschrieben. Darauf berichtet  ein Kind aus dem Jahr 2033 von Omas Erzählungen, wie es an dieser Stelle an der heute das Schild steht, vor vielen Jahrzehnten ausgesehen hat.

Es erzählt vom Haus vom kauzigen Toni, das hier mitten auf dem Feld gestanden hat, an dem sie auf dem Weg zu Opa, der am Rand von Neuaubing wohnte,  immer vorbeigekommen sind. Jetzt, berichtet der (fiktive) Bub weiter, wo das Feld verschwunden und alles zugebaut und der Toni nicht mehr ist, wohnt hier der Joschi – im dritten Stock. Auch die Lollo wohnt im selben Haus und wie der kauzige Toni damals, bauen sie Gemüse an. Allerdings nicht mehr auf dem Boden, wie einst der Toni, sondern stattdessen auf dem Dach.

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Infotafel nördlich der Energiezentrale Freiham.

Nicht alle Tafeln auf dem Pfad, der sich vom Bahnhof Aubing im Osten bis zum neuen, betongrauen Freihamer Bahnhof im Süden zieht, beherbergen solche Geschichten. Auf manchen wird nur ganz klassisch und bisweilen langweilig informiert, zum Beispiel über archäologische Untersuchungen auf dem Gelände.

Aber richtig interessant und unterhaltsam wird es, wenn der Blick in die Zukunft nicht allzu trocken ausfällt und die Fantasie kleine Freudensprünge macht, über das was da noch alles kommen mag. Denn das ganze Leben ist Veränderung – und manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn dabei kein Stein auf dem anderen bleibt.

 

 

 

„DenkMal“ nach

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Seit wenigen Tagen steht es hinter dem Rathaus, am Marienhof. Nachdem es am Isartor nicht die rechte Beachtung fand, beschloss der Stadtrat seinen Umzug auf diesen prominenten Platz im Herzen Münchens. Die Rede ist vom Denkmal der grauen Busse. Geschaffen zur Erinnerung an die Opfer der Euthanasie im Nationalsozialismus, wandert es seit vielen Jahren durch die Republik um die Erinnerung an die Schrecken von damals wach zu halten.

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Nun, an seinem aktuellen Standort hat es scheinbar Beachtung gefunden. Doch ob diese Art der Aufmerksamkeit gewünscht war, lässt mich zweiflen. Wer sich auf eine der Bänke am Marienhof setzt und das Treiben rund um das Denkmal beobachtet, wird diese Bedenken teilen. Das Denkmal dient in den meisten Fällen als Kulisse für Fotos. Lachende und sich küssende Paare setzen sich auf den Betonbus um sich fotografieren zu lassen, Kinder toben ausgelassen durch den Mittelgang des Busses, währende deren Eltern das fröhliche Treiben mit ihren Smartphones festhalten.

Der Mühe die Erläuterungen zum Denkmal an der „Bushaltestelle“ zu lesen, haben sich scheinbar nur wenige gemacht. Ob sie dann wohl anders gehandelt hätten?

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Wohin bringt ihr uns?

Das Denkmal der grauen Busse steht noch bis 22.Oktober 2013 in München, im Anschluss wandert es weiter nach Kassel.

 

Privates, Halbprivates und A. H. leckt sich selbst

Am interessantesten sind Retrospektiven bekannter Künstler ja immer dann, wenn sie nicht zum hundertsten Male altbekanntes aufwärmen. Ein solcher, sehenswerter Glücksfall ist die soeben im Münchner Literaturhaus gestartete Ausstellung „Loriot – Spätlese“.

Wer Loriot alias Vicco von Bülow nur aus seinen Fernsehsketchen kennt, dem eröffnen die beiden Kuratoren der Ausstellung, Peter Geyer und O.A. Krimmel in Zusammenarbeit mit der „Komischen Pinakothek“ nun die Möglichkeit, tiefe Einblicke in Loriots andere Seite, sein grafisches Werk zu gewinnen.

ein bild sagt mehr als 1000 worte

O.A.Krimmel, Peter Geyer, Meisi Grill und Reinhard Wittmann bei der Ausstellungseröffnung. Foto: (c)Katrin Moritz

Die Ausstellung im Erdgeschoss des Literaturhauses orientiert sich an verschiedenen Schaffensperioden Loriots, beginnt mit seinen „Frühstücken“ und endet mit den „Nachtschattengewächsen“. Dazwischen finden sich „Große Deutsche“, „Halbprivates und Privates“, natürlich die Möpse und ein sehr eigenwilliges und originelles „Gästebuch“.

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Kurator Peter Geyer mit dem Plakat zur Ausstellung Foto: (c) Katrin Moritz

Nachdem Loriot zu Lebzeiten im grellen Licht der Scheinwerfer und der Öffentlichkeit stand, ist diese wohltuend unaufgeregte und dezent ausgeleuchtete Ausstellung typisch für sein feines Understatemant. Nach den großen Erfolgen und bekannten Bildern die Vicco von Bülow mit seiner Kunstfigur Loriot schuf, sucht man hier vergeblich. Zu sehen sind dafür viele Zeichnungen aus den Anfangsjahren des Künstlers, die er für Illustrierte wie die Quick, Stern und Weltbild erstellte.

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Auf dem Weg durch Loriots Schaffen. Foto: (c)Katrin Moritz

Sein subtiler und immer treffsicherer Humor ist in diesen frühen Werken schon erkennbar – Ablehnungsschreiben von Herausgebern zeugen jedoch davon, dass er nicht immer auch von jedem verstanden wurde. Doch Vicco von Bülow ist seiner Linie treu geblieben und hat es geschafft, „uns zu seinem Humor zu erziehen“ wie Kurator Peter Geyer, der die vergangenen 18 Jahre an Loriots Seite arbeitete, erzählt.

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Private Zeichnung Loriots. Foto: (c) Katrin Moritz

Ein besonders sehenswerter Bereich der Ausstellung ist Loriots „Gästebuch“. Vicco von Bülow hatte die lästige Angewohnheit, Gästen mit einem Gästebuch auf die Nerven zu gehen, auf seine eigene, typisch hintergründige Art umgesetzt. Seine  Besucher mussten sich nicht in eine Lederkladde eintragen, sondern stattdessen vor seiner Kamera posieren. Loriot als Fotograf! Vor immer gleicher Kulisse (Säule und Vorhang) setzte er seine Gäste, wie Marianne Koch und Horst Buchholz gewitzt in Szene. Alleine diese Bilder sind schon den Besuch der Ausstellung wert.

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Der Meister selbst im Gästebuch verewigt. Foto (c) Loriot

 

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Fressen und gefressen werden aus Sicht von Loriot. Foto: (c)Katrin Moritz

Neben vielen anderen bislang unveröffentlichten Zeichnungen, einer Hommage an Alfred Hitchcock (Die toten Augen von Gauting) und Einblicken in Loriots Trickfilmwerkstatt, ist mein persönliches Highlight eines seiner späten Werke. Losgelöst vom gezeichneten Witz und den Erwartungen an den Humoristen, erschuf er mit seinen „Nachtschattengewächsen“ Bilder auf denen er die Welt aus einem anderen Blickwinkel als sonst betrachtet. Darunter ein Portrait des kleinen, großen Österreichers A.H. Dem hat er eine Briefmarke mit seinem eigenen Portrait auf den Mund geklebt. Somit kann sich also A.H. selbst am A. lecken.

Dank an Loriot und die Kuratoren für diese sehens- und liebenswerten Einblicke in das Leben eines großen und hoffentlich nie vergessenen Künstlers.

Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag von 11-19 Uhr geöffnet, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10-18 Uhr.

Der Eintritt kostet 6.- Euro/4.- Euro. Studierende zahlen am Ausstellungsmontag nur 2.- Euro

Zum 90.Geburtstag des 2011 verstorbenen Künstlers sind bei Diogenes die Bücher „Spätlese“ und „Loriot:Gästebuch“ erschienen. (Amazon Partnerlinks)

 

Viel Dampf und eine runde Zahl in Freiham

Seit Samstag, den 14. September ist es vollbracht. Die 150. S-Bahnhaltestelle in München ist eröffnet. Wenn in fünf bis zehn Jahren die ersten Bewohner in den neu entstehenden Stadtteil Freiham im Westen von München einziehen, dann ist die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel schon da. Bis heute wohnen in Freiham nämlich nur sehr wenige Menschen. Der neu zu bauende Stadtteil besteht auch erst zur Hälfte. Und diese südliche Hälfte ist ein Industriegebiet, mit ein wenig an das Bahngleis gequetschter Wohnbebauung, samt großem Ärtzezentrum das zeitgleich mit der S-Bahn eröffnet wurde. Ein lokales Anzeigenblatt nannte zur Eröffnung den neuen S-Bahn-Halt auf der Strecke der S-8 München-Herrsching  daher einen Geisterbahnhof.

Das Gewerbegebiet ist durch Busse und seine direkte Lage an der Autobahn verkehrstechnisch gut angeschlossen. Ein großes Möbelhaus betreibt sogar einen eigenen Bus-Shuttle-Service von Pasing aus ohne Zwischenstopp direkt zum Einkaufsparadies in Freiham.  Bahnhof und Ärztezentrum sind barrierefrei zu erreichen, zumindest dem Zustrom von Patienten und Kunden aus dem ganzen Stadtgebiet steht damit nichts mehr im Wege. Dann ist es am neugebauten Bahnhof schon gar nicht mehr so geisterhaft.

Freiham-Nord auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofs, das momentan noch ein Maisfeld ist,  soll im Endausbau Wohnungen für bis zu 20.000 Menschen bereitstellen, ein großes Schulzentrum soll ebenfalls entstehen. Da schadet es nicht, wenn der ÖPNV schon mal da ist. Doch wie all der zusätzliche Verkehr in den kommenden Jahren durch den neuen Stadtteil zu bewältigen ist, steht eh in den Sternen. Eine Straßenbahn ist angedacht und manche träumen gar von einer U-Bahn. Das Planungsreferat geht noch immer von ausreichender Kapazität der Straßen aus, doch schon jetzt stehen die Hauptstraßen in und um Aubing sowie die A99 im Berufsverkehr vor dem Kollaps. Auch in der S-Bahn sollte man zu Stoßzeiten keine Berührungsängste haben. Es bleibt spannend, wohin sich die Verkehrspolitik im Münchner Westen entwickelt.

 

 

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