Kehraus

G´seng, g´hört, aufgschrieben!

München(er)leben: Die Kolumne 


IMG_1690Die fünfte „Jahreszeit“, das Oktoberfest in München ist vorüber. Die letzten Japaner machen sich in ihren Schnäppchendirndln und -Lederhosen auf den Heimweg, manch einer schleppt sich, mit befremdlichen Tierkopfmützen die er nur im Vollrausch erstanden haben kann, das Gesicht noch deutlich von den Freuden der letzten Wiesnnacht gezeichnet, seinen Rollkoffer hinter sich herziehend, mühsam Richtung Bahnhof oder Flughafen.

Langsam versickern halbverdaute Hendl, Brezen und ungezählte Maß bereits getrunkenes Wiesnbier  in den Hängen der Theresienwiese. Der Weg vom Bahnsteig an der Hackerbrücke die Treppen rauf dauert wieder nur zwei statt fünfzehn Minuten und der gemeine Städter hat seine folkloristische Verkleidung, ohne die er sich während der 16 Tage Ausnahmezustand nicht mehr auf die Straße zu trauen schien, in den Kleiderschrank verbannt und geht endlich wieder in Jeans und Hemd zur Arbeit. Das (inzwischen verbotene) Feierabendbierchen in der S-Bahn wird wieder die Ausnahme. Ruhe und Frieden kehrt in die verkaterte Weltstadt mit Rausch ein.

Ruhe und Frieden? Moment mal – Dort drunt in der schönen Au…… da bahnt sich bereits das nächste Spektakel an. Ein herbstlaubbedecktes Holzbüdchen nach dem anderen versammelt sich auf der sonst öden Kiesfläche vor der Kirche Mariahilf – die Kirchweihdult, die letzte der drei Dulten im Jahr zieht herauf. Die ist zwar kein solch gigantisches Spektakel wie das Fest zu Ehren der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese auf der nach ihr benannten Festwiese. Und doch hier wird bereits der Grundstein gelegt für das nächste Ereignis, welches erneut nicht unbedeutende Touristenströme nach München lockt.

Denn mit dem Ende der Dult verschwinden die Buden nicht wie nach der Mai- und der Jakob-Dult, sondern ruhen dort für einige Wochen, sammeln ihre Kräfte, um sich anschließend in Gänze auf ihren Weg nur wenige Kilometer entfernt ins Herz der Stadt aufzumachen, um rund um den Marienplatz als Christkindlmarkt wieder aufzuerstehen.

Doch noch bevor der alljährliche Streit darüber wieder entbrennen kann, ob der aktuelle Christbaum vor dem Rathaus nun „schee“ oder „greislig“ ist, dürfen die Narren am 11. November schon wieder die nächste „Jahreszeit“ ausrufen.

Wie schön wäre da mal ein Kehraus, der mit dem letzten Besenstrich für wirkliche Ruhe sorgte.